...einem Haufen Errinnerungen, einigen neuen Kleidungsstuecken und ein wenig Frustration, weil der Rucksack irgendwie geschrumpft ist, seit dem ich gekommen bin ;)
Die letzten drei Wochen sind verflogen, daher hatte ich kaum Zeit richtig zu schreiben.
es hat sich einiges bei mir geaendert. Peter Lange hat mich gebeten auf sein Haus aufzupassen, was icih natuerlich gerne gemacht habe, weil er mir sehr geholfen hat. Das hiess nur leider, dass ich nur noch tagsueber in den Doerfern war und nicht mehr dort geschlafen habe. Wenn man dazu sagt, dass ich in beiden Doerfern kein Platz zum schlafen gehabt haette, sondern in der Maneaba schlafen haette muessen, wo auch nicht wirklich Platz fuer mich gewesen waere, war das doch die beste Loesung. Pastoren waren gluecklich, weil sie eine Sorge weniger hatten, ich war gluecklich ueber ein vernuenftiges Bett und eine tolle Dusche. Leider fanden das Terauango und Tiol nicht so toll. Sie sind bis jetzt (also seit gut 2 Wochen) sauer auf mich, weil ich ihre Plaene ueber den Haufen geschmissen habe. Das hat mich schon traurig gemacht, aber aendern kann ich es jetzt auch nciht mehr.
Naja... Am Donnerstag vor 2 Wochen sind 6 Australier hier angekommen. Sie haben Vortraege ueber Charakterbildung und so etwas gehaltne. Ich habe den Vortrag verlassen, als es hiess, dass alle die der Evolutionstheorie anhaengen, als auch Muslime vom Teufel sein. Ausserdem sind Frauen die Diener des Mannes. Als ich dann meine Meinung sagte (schliesslich haben sie uns ja ermuntert Kommentare abzugeben), sagte der Mann nur: "Da ahben wir schon eine vom Teufel verfuehrte. Lasst uns fuer sie beten." ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh. Es wurde gebetet, allerdings ohne mich, ich war weg...
Sonst ist in den letzten 2 Wochen echt kaum etwas los gewesen. Es gab in den Doerfern Beerdigungen ( an einem Tag 5 Stueck, das hiess fuer mcih 12 Stunden herumsitzen, essen und ncihts verstehen) und das wars auch schon...
Ich fliege jetzt noch fuer 2 Wochen nach Sydney, wo ich eine gute Freundin von mir besuchen werde. Auch davon werde ich vielleicht einmal berichten. Fuer die, die nciht mehr an den Bercihten interessiert sind, hoert der Blogg jetzt auf. Morgen um 7:00 geht mein Flieger nach Naid, Fiji, wo ich einen Tag verbringen werde. Am naechsten Tag fliege ich nach Sydney.
Liebe Gruesse
Dienstag, 24. November 2009
Ich packe meinen Koffer mit...
Eingestellt von Maylis um 15:44 0 Kommentare
Montag, 9. November 2009
Beerdigung&Obva Island
Hallo,
Ich melde mich mal wieder. Seit dem letzten Blogeintrag ist sehr viel passiert. Ich war auf einer Beerdigung und natürlich hat der Wochenendausflug stattgefunden.
Zunächst einmal möchte ich über die Beerdigung erzählen:
Wie ich schon einmal berichtet habe dauerte eine Beerdigung 2-3 Tage und der Pastor ist eigentlich die ganze Zeit dabei. Am Morgen nach dem Tod wurde der Pastor benachrichtigt und er nahm mich mit. Wir fuhren zu dem Haus der Toten, wo wir die Tote gleich zu Gesicht bekamen. Sie lag auf dem Boden in der Mitte des Raumes, was schon irgendwie ein komisches GEfühl war. Da hier jeder jeden kennt, war es unnötig zu fragen, wer das ist und was sie in ihrem Leben gemacht hat. Stattdessen wurde eine Andacht gehalten und für die Tote gebetet. Dann erzählte mir der Pastor das die frau ein Medium zwischen der Lebendene Welt und der Totenwelt gewesen ist und daher eine wichtige Person gestorben sei. In diesem Moment wurde mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie sehr die Traditionen hier noch im täglichen Leben eine Rolle spielen, gerade Hexerei. ( Später sah ich wie frauen nach dem Haar schneiden ihre Haare verbrannten, ich fragte sie warum. Darauf antworteten sie, dass sie das machten, damit keiner sie verfluchen kann. Das war schon irgendwie eigenartig für mich)
Nun aber zurück zur Beerdigung. Nach der Andacht saßen wir ehrlich gesagt den ganzen Tag in diesem kleinen, stickigem Raum mit einer Leiche und keiner Aussicht auf einen Ventilatoren, weil es keinen Strom im Haus gab. Mehr und mehr Menschen kamen und es war wirklich eng in diesem Raum. Die Luft war zum Schneiden. Daher war ich sehr froh, als wir das Haus gegen 16 Uhr verließen, um etwas zu Essen.
Doch um18:00 Uhr fuhren wir wieder zu der Beerdigung, wo wir wieder eine Andacht hielten. Dieses Mal begleitete uns noch der Chor der sich mit uns in diesen Raum quetschte und für die Tote sang. Diese Lieder sollen der Seele ( das ist eine schlechte Übersetzung des kiribatischen Wortes, aber mir fällt keine bessere ein. Das Wort meint im Prinzip das was eine Person ausmacht, also ihren Charakter und ihre Persönlichkeit und ihre Geschichte) Mut machen in das Totenreich zu gehen und nicht als Geist wieder zurück zukehren. Denn in der ersten Nacht des Todes verliert die Person ihre Identität und ist damit etwas, was ich nicht umschreiben kann. Ich glaube gerade bei Beerdigungen tritt der ursprüngliche Glauben noch sehr stark hervor, auch wenn die christliche Bestattungsform benutzt wird.
Anschließend wurde gegessen und an die Tote erinnert.
Am nächsten Morgen um 6 Uhr fuhren wir wieder zu der Toten, um die letzte Andacht zu halten. Danach ließen wir die Familie alleine, damit sie die Tote für die Beerdigung vorbereiten konnten. Um 16 Uhr versammelten wir uns wieder im Haus um den ersten Teil der Beerdigung abzuhalten, der bei uns in der Kirche stattfinden würde. Anschließend ( es war schon 17 Uhr) fuhren wir zum Grab, welches am anderen Ende der Insel war. Also trafen wir uns alle eine ¾ Stunde später am Grab. Dann ging alles ganz schnell: Da die Beerdigung aus traditionellen Gründen vor 18 Uhr fertig sein muss ( außerdem beginnt es um 18 Uhr dunkel zu werden), hielt der Pastor noch eine kleine Ansprache, die Leiche wurde ins Grab gelegt, wo ich erkannte, dass Mehrfachbelegungen eines Grabes kein Problem sind, und dann wurde das Grab geschlossen, der Chor sang, die knapp 400 Leute, die sich versammelt hatten, heulten. Weinen kann man das schon nicht mehr nennen. Es war eine Geräuschkulisse, die unglaublich war.
Anschließend sind wir zu dem Haus der Verstorbenen zurück gefahren und haben gegessen. Damit war die Beerdigung abgeschlossen.
In diesen zwei Tagen habe ich viel gelernt, vor allem, dass die Traditionen hier noch eine größere Rolle spielt, als offiziell in der Kirche zugegeben wird.
Außerdem habe ich erklärt bekommen, wie die traditionelle Beerdigung auf Kiribati aussah ( die nicht mehr ausgeübt wird) (wer einen schwachen Magen hat, sollte zumindest den zweiten Teil überspringen).
Es gibt zwei verschiedene Arten der Beerdigung. Welche Art angewandt wird, kommt darauf an, ob man von den nördlichen Insel kommt, oder von der südlichen. Ich habe leider vergessen, welche Inseln welche Art benutzen.
Die erste Art der Beerdigung ist noch sehr harmlos. Der/ Die Tote wird auf sein/ihr Kanu gelegt aufs Meer hinausgestoßen und verbrannt. Die Seele bekommt einen neuen Körper in form eines Delfins. Daher sind Delfine eine Art heiliges Tier für manche I-Kiribati.
Die andere Art ist zumindest für mich leicht abartig. Hier wird die Leiche auf den höchsten Punkt des Daches. Durch die Hitze und Schwüle tritt nach kurzer Zeit der Verwesungsprozess ein. Dabei laufen aus der Leiche Säfte aus. Diese Säfte werden aufgefangen und ins Essen gemischt. Das soll zeigen, wie sehr man die Person gemocht hat. Man hatte sie zum fressen gern ( tschuldigung, aber es ist in der Tat so…) Der Schädel der Person wurde aufgehoben und in Ehren gehalten.
Beide Arten der Beerdigung hatten einen Vorteil: Sie haben das Grundwasser nicht beschädigt. Das passiert bei der christlichen Erdbestattung leider, da die Verbrennung aus einem mir nicht bekannten Grund nicht erlaubt ist.
Das war, was ich zum Thema Beerdigung berichten kann.
Nun aber zu einem ganz anderem Thema. Ich habe dieses Wochenende auf einer anderen Insel verbracht. Diese Insel war nicht größer als unser hinterer Garten in Hamburg.Es standen ein paar Buschhütten darauf und das wars. Aber das Schöne war: Es war alles sauber und ordentlich, was nach 2,5 Monaten mit teilweise ungenügenden hygienischen Umständen echt mal wieder gut getan hat.
Am Freitagnachmittag ging es los. Eigentlich wollten wir mit einem Segelboot dorthin fahren, aber es herrschte totale flaute. Daher mussten wir auf ein Motorboot umsteigen. Wir brauchten eine knappe halbe Stunde um den Müllgürtel um Tarawa hinter uns zu lassen und in der Lagune stank es mal wieder total stark nach Abwasserkanal. Nach einer weiteren Stunde kamen wir auf Obva Island an. Wenn ich von wir spreche, spreche ich von Peter Lange, einem Deutschen, der auf Tarawa arbeitet und Diana, die bei Peter Lange arbeitet und mit der ich mich gut verstehe.
Auf Obva Island dauerte es nicht mehr lange und ich war im Wasser. Das Wasser war badewannenwarm und glitzerte im Sonnenuntergang. Es war so schön wieder einmal lange schwimmen zu gehen, was auf Tarawa wegen dem Müll nicht möglich ist. Gerade seitdem ich weiß, dass auch das Krankenhaus ihre Abfälle eifrig ins Meer kippt, meide ich das Wasser.
Abends saßen wir zusammen redeten und aßen- wie könnte es anders sein- fisch. Doch was es dazu gab, war etwas ganz besonderes, was ich seit 2,5 Monaten nicht mehr zu Gesicht bekommen habe, so dass ich mich fragen musste, ob das wirklich sein konnte: Salat! Darin waren sogar Tomaten und Gurken. Ich bin fast durchgedreht vor freude J.
Doch um 21 Uhr waren wir alle so müde, dass ich nur noch ins Bett kippte. Leider hielten die Mücken nichts von meinen Plänen zu schlafen und hielten mich mit ihren Stichen die halbe Nacht wach und das obwohl ich unter einem Mosktionetz schlief und Repellent aufgetragen habe. Mmh…
Morgens kam die nächste Essenstechnische Überraschung. Es gab EI. Ich bin kein echter fan von warmen frühstück, aber ein Ei kann man sich nicht entgehen lassen, auch die gibt es hier selten. Anschließend kamen noch ein paar Neuseeländer an, die in Tarawa die Dörfer wieder aufbauen wollten und zwei Wochen zur Vorbereitung und zur Lageinformation in Tarawa verbrachten. Die waren ganz nett und es war interessant von ihren Plänen zu hören, auch wenn ich bei der ganzen Sache etwas skeptisch bin. Ich meine diese Leute wohnen zwei Wochen lang in dem besten Hotel von Tarawa, durchlaufen das Touri Programm und schauen sich hin und wieder ein paar Dörfer an und meinen dann das Problem zu kennen. Klar, man erkennt sofort das es langsam mal überall ein Abwassersystem geben sollte und das die Häuser alle renovierungsbedürftig sind. Aber über solche Dinge wie das empfinden von Eigentum, welches doch sehr anders ist, als in westlichen Ländern haben sie sich noch keine Gedanken gemacht, aber wie die Häuser, die sie bauen werden aussehen werden, wissen sie schon ganz genau…
Nun aber wieder zu Obva Island zurück. Ich bin Schnorcheln gegangen. Hier kam meine Taucherbrille, mein Schnorchel und meine Unterwasserhülle für die Kamera voll zum Einsatz. Ich habe mich gefühlt, als wäre ich in Hagenbecks Tropenaquarium getaucht. Nur das da kein Glas zwischen mir und den Korallen war und die fische direkt an mir vorbei geschwommen sind. Es gab so viele fische, die ich sonst aus dem Aquarium kenne und so habe ich zum Beispiel einen Clownfisch und einen Doktofisch gesehen. Automatisch musste ich grinsen und an findet Nemo denken ;)
Anschließend fuhren wir auf eine andere Insel, wo es Kokosnüsse gab und wir wieder im Riff schnorchelten. Wir war es so, als ob es eine farbexplosion unter Wasser gegeben hätte und ich ließ mich von der Strömung treiben. Es war so klasse.
Es wurde fisch gegrillt und wir aßen frisch gefangenen fisch. Nun mussten wir uns langsam auf den Rückweg machen. Auf Obva Island konnte ich es nicht lassen und ging wieder ins Meer. Cih glaube ich habe dieses Wochenende mehr Zeit im Wasser verbracht, als an Land. Es war herrlich.
Abends gab es etwas ganz besonderes. Die Neusseländer hatten Chips und Wein mitgebracht, beides gibt es auf Tarawa nicht. Wieder wurde nett beisammen gesessen, und gequatscht. Das vermisse ich schon, weil es diese Tradition nicht gibt und wenn dann doch einmal ein Treffen stattfindet, dann sitze ich meistens dabei und verstehe nicht, weil keiner mir übersetzt. Daher sind diese Treffen immer ausgesprochen langweilig für mich.
Am Sonntagmorgen fuhren die Neuseeländer wieder und das Niedrigwasser war, konnte ich zu dem Riff schwimmen, was sonst zu weit draußen liegt. Und da erwartete mich etwas, was man in Worten kaum beschreiben kann. Es sah aus wie aus einem Bilderbuch über fische. Überall schwammen Schwärme von den buntesten fischen herum, die alles farben des Regenbogens repräsentierten.
Doch auch für uns wurde es Zeit aufzubrechen. Leider. Auf der Rückfahrt sahen wir viele fliegende fische, die ich am Anfang für komisch geformte Vögel gehalten habe… Naja, aber nach einer Zeit sah ich dann auch, dass es fische waren.
Und dann kam es zu meinem persönlichen Höhepunkt. Auf einmal tauchten neben unserem Boot ( aber so dicht, das ich nur meine Hand ausstrecken müsste um sie zu berühren) graue fluten auf. Erst dachte ich, ich seh nicht richtig. Dann aber hatte ich die Gewissheit: DELFINE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Jeder der mich kennt, weiß wie Delfin Verrückt ich bin und ich war nur noch hin und weg. In diesem Moment war ich nur noch glücklich. Die Delfine begleiteten uns ein kurzes Stück, sprangen wir verrückt so dicht am Boot,d ass sie uns nass spritzten und verschwanden dann. Wow…. Ich bin noch immer hin und weg
Etwas später erreichten wir wieder die Wirklichkeit. Schon im Hafen türmten sich wieder die Müllberge und auf dem Weg zurück zum Haus von Peter Lange, sahen wir eine Menschentraube: eine frau wird von ihrem Mann verprügelt. Peter Lange ging dazwischen. Die anderen standen drum herum und gafften. Es macht mich echt fertig, wie abgestumpft die Menschen sind und das sie lieber gaffen als zu helfen.
Jetzt bin ich wieder bei dem Pastoren, bei dem ich diese Woche bin.
Liebste Grüße von einer May, die hin und weg von Delfinen ist und trotzdem nicht wirklich weiß, wie sie mit der Gewalt hier umgehen soll.
May
Eingestellt von Maylis um 18:13 0 Kommentare