So, es ist wieder an der Zeit für einen Blogeintrag. Entschuldigt, dass ich in der letzten Zeit wenig geschrieben habe, aber ich war kaum in Antebuka, wo ich Internet habe.
Heute Nacht bin ich aufgewacht und war über und über mit Ameisen bedeckt. Irgendwer wollte mir einen Gefallen tun und hat mir eine Banane neben meine Matratze gelegt. Leider habe ich die in der Dunkelheit nicht gesehen. Und so kamen noch in der Nacht die Ameisen. So war die ganze Buschhütte, in der ich gerade schlafe voller Ameisen. Das hieß nachts um 3 aufstehen duschen, meine vor Ameisen wimmelnde Kleidung in die Waschmaschine schmeißen. Meinen Rucksack auswaschen. Meine Nacht war gelaufen. Es war so ekelig.
Heute morgen habe ich ein langes Gespräch mit dem Pastor geführt, bei dem ich gerade wohne. Das Gespräch war sehr interessant und lehrreich. Später gesellte sich ein unim’ane hinzu, der ein ehemaliger Präsident ist. Das war das erste mal seit gut zwei Wochen, dass ich mich in Umgebung von I-Kiribati wieder einigermaßen wohl gefühlt habe.
Die letzten zwei Woche kann man mit einem Wort sehr gut beschreiben: “Frustration”.
So langsam habe ich echt keine Lust mehr. Ich schäme mich des wegen, aber es ist die Wahrheit. Das erste was ich jeden Morgen sehe, sind ein Haufen Kinder an meinem fenster, die “I-matang” ( die Weiße) schreien. Manchmal würde ich am liebsten einen Schuh nach diesen Kindern schmeißen.
Wenn ich auf der Straße bin, kann ich mir sicher sein, dass egal wo ich bin, ein Chor von “I-Matang” Rufen erklingt. Das nervt mich wahnsinnig, gerade weil auch die Erwachsenen mit machen. Dadurch fühle ich mich häufig wie eine Krankheit in Person oder eine Aussätzige.
Letzte Woche war es sogar so, dass mich die Pastorenfamilie nicht einmal mehr mit meinem Namen angesprochen hat, sondern mich nur noch I-matang genannt hat.
Auch gerate ich hier hin und wieder mit den Männern hier aneinander. Die Männer sind hier die dominanten und es ist ganz klar, dass sich eine frau zu fügen hat. Auch, wenn ich meistens wie ein Mann behandelt werde (also als erstes essen und so etwas), merke ich hier doch häufig genug, dass ich eben “nur” ein frau bin. In der letzen Woche wollte mir der Pastor verbieten, einen Spaziergang zu machen, weil sich das für eine frau nicht gehöre, dabei habe ich das schon die ganze Woche gemacht. Oder ich habe seiner frau beim Abwasch geholfen und da kam das Kommentar von seinem Sitzplatz, den er wirklich nur ein paar Mal verlassen hat, dass sie eine schlechte Gastgeberin sei, weil ich beim Abwasch helfe. Da hat sich die frau bei ihm entschuldigt (!) und von da an durfte ich wirklich nichts mehr machen. Ich durfte nicht mal mehr Volleyball spielen, weil ich mich dabei ja verletzen könnte.
Etwas anderes, dass mir auch oft Kopfschmerzen bereitet, ist, dass die Menschen meinen europäischen Kleidungsstl überhaupt nicht akzeptieren. Ja, ich bin die erste I- Matang ( oh, wie ich das Wort hasse), die seit langer Zeit in den Dörfern lebt, vieles wissen sie nicht, aber trotzdem kann man doch akzeptieren, dass ich lieber meine Oberteile trage, als die Kiribati Oberteile, die knielang sind und sich anfühlen, als ob man eine Plastiktüte trägt.Dabei versuche ich echt alles, ich trege brav meinen Tiulu (Rock) und mein Tiibutao (oberteil), aber hin und wieder mag ich es doch ganz gerne einfach ein "normales" Oberteil zu tragen, was mich nicht so beim Gehen behindert.
Manchmal bin ich echt am Verzweifeln. Ich will das hier meistern, aber ich merke einfach so langsam, dass ich an meine Grenzen komme. Vor allem wenn ich sehe, wie hier mit Kindern und frauen umgegangen wird. Ich sehe so oft frauen mit blauen flecken im Gesicht, oder Kinder ( hin und wieder auch frauen), die auf offener Straße geschlagen werden. Ich fühle mich jedes Mal schlecht, wenn ich das sehe und mich nicht traue einzugreifen, aber ich traue mich nicht einzugreifen. Als neulich die Nachbarin des Pastoren geschlagen worden ist, habe ich es dem Pastor erzählt. Und denkt ihr, er hätte eingegriffen? Nein. Er ist mit einem Schnauben aufgestanden und ist an das fenster gegangen, um zuzugucken. Als ich fragte, warum er nicht hilft, meinte er nur, dass die frau es schon verdient hat!. Ich war stocksauer.
Mein persönlicher Höhepunkt war gestern Nachmittag erreicht. Ich habe in der Gemeinde einen Pc aufgebaut. Hinter mit saß die ganze Zeit ein Mann mit fächer in der Hand und dirigierte seine frau herum. Außerdem fragte er mich alle zwei Minuten, ob ich den wüsste was ich da mache. Es hat mich in den Wahnsinn getrieben. Anschließend habe ich noch eine einfache Bedienungsanleitung auf Kiribati geschrieben. Das hat ziemlich lange gedauert, weil ich jedes 3. Wort im Wörterbuch nach sehen musste. Als ich dann endlich fertig war, der Drucker und das Inet funktionierten, kam der Pastor herein. Da meinte der Mann, der die ganze Zeit da gesessen hat: “ Kannst du mal gucken, ob die I-Matang alles richtig gemacht hat? Sie ist ja eine frau.” AAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH…….. Da war es bei mir vorbei und mir war in dem Moment echt egal, was alle von mir dachten. Ich meine ich habe nicht ernsthaft über 5 Stunden damit verbracht einen PC mit Drucker und Internet einzurichten, eine Bedienungsanleitung für den PC zu schreiben, um so etwas zu hören. Ich habe nicht einmal ein Danke bekommen. Jetzt weiß wenigstens der Nachbar meine Meinung, ich hoffe er hat sie verstanden…
Von heute an ist es noch genau ein Monat und ich sitze im flieger nach Deutschland. Die letzte familie bei der ich war, war super. Ich durft wirklich überall mit hin. Vorestern ist der Junge von dem Pastorn gestorben, bei dem ich vor zwei Wochen war. Da war ich bei der Beerdigung. Die Beerdigung war sehr anders als in Deutschland. Das Kind lag in der Mitte der Maneaba und alle anderen saßen drum herum und haben geweint. Außerdem wurde von den verschiedenen Dorfgruppen Trauerlieder gesungen. Man aß und trank gemeinsam. Die Trauerzeit habe von 3 Tagen habe ich nicht mit gemacht. In dieser Zeit essen die familienangehörigen nichts und sollen auch nicht reden.
Heute war ich mit im Krankenhaus. ICh habe ja schon im deutschen Krankenhaus immer ein beklemmendes Gefühl. Aber hier war es um einiges Extremer. Die Menschen liegen immer in Räumen mit 50 Betten. Das heißt aber nicht, dass nur 50 Leute in diesem Zimmer liegen. Die familien liegen unter und neben dem Bett er Kranken, dazwischen liegen Kranke die kein Bett mehr bekommen haben. Verbandswechsel gibt es nur, wenn es dringend notwendig ist. Was mir aufgefallen ist, war das erstaunlich viele alte Leute in den Betten lagen, die beide Beine amputiert hatten. Die frustration war unglaublich groß. Ich habe mit einem kubanischem Arzt geredet, der mir erzählte, dass die Versorgungslage extrem schlecht ist. Die meisten Krankenschwestern haben nur ide kiribatische Ausbildung, die wirklich nur das Nötigste beinhaltet. für mich war es wahnsinnig bedrückend an diesem Ort. Auch herrschte nie Ruhe. Wie auch? Die Säuglinge schrien, die Tür zum Kreissaal stand weit offen. Auch der Operationssaal war auf. Man konnte den Ärzten so ungefähr beim Operieren zu schauen. UNd zwischen allem rannten noch ein paar Katzen herum auch über das frisch desinfizierte Operationsgeschirr.
Ich versuche hier meine restliche Zeit noch zu genießen, obwohl jemand meinen ganzen VOrrat an Gummibärchen aufgegessen hat und ich teilweise echt am aufgeben mit der Sprache bin. Ich war glaube ich noch nice so unfähig mich zu kommunizieren. Wenn ich mal wieder eine Heimwehattacke bekomme ( was doch hin und wieder vorkommt), dann habe ich folgende Lichtblicke:
1. Es kann nicht schlimmer werden, als der letzte Monat in den Staaten
2. Ich bin auf einen Segeltrip eingeladen worden. Das hieße ein Wochenende auf eine Outer Island mit der deutschen Familie mit der ich mich sehr gut verstehe. Allerdings muss die Pastorenfamilie, bei der ich nächste Woche bin, zustimmen. Ich hoffe das wird etwas. Ich will das unbedingt.
3. Ich habe ja immer noch Bate, Abbae, Editha und Terauango. Mit denen verstehe ich mich echt gut! Auch wenn ich in der Woche nur 1-2 für eine Stunde im HQ bin, weiß ich das die mich verstehen und das ich dort immer ein offenes Ohr habe. Das ist sehr viel wert.
4. Es sind nur noch 31 Tage und dann bin ich hier weg. Es ist schade so zu denken, aber manchmal hilfts...
So, auf in den Kampf für den letzten Monat.
Tiabo und viele sonnige Grüße aus Kiribati
May
PS: Wer sich näher über das Nordelbische Missionszentrum informieren will, kann dieses unter http://www.nmz-mission.de tun. Viel Spaß!