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Montag, 9. November 2009

Beerdigung&Obva Island

Hallo,
Ich melde mich mal wieder. Seit dem letzten Blogeintrag ist sehr viel passiert. Ich war auf einer Beerdigung und natürlich hat der Wochenendausflug stattgefunden.
Zunächst einmal möchte ich über die Beerdigung erzählen:
Wie ich schon einmal berichtet habe dauerte eine Beerdigung 2-3 Tage und der Pastor ist eigentlich die ganze Zeit dabei. Am Morgen nach dem Tod wurde der Pastor benachrichtigt und er nahm mich mit. Wir fuhren zu dem Haus der Toten, wo wir die Tote gleich zu Gesicht bekamen. Sie lag auf dem Boden in der Mitte des Raumes, was schon irgendwie ein komisches GEfühl war. Da hier jeder jeden kennt, war es unnötig zu fragen, wer das ist und was sie in ihrem Leben gemacht hat. Stattdessen wurde eine Andacht gehalten und für die Tote gebetet. Dann erzählte mir der Pastor das die frau ein Medium zwischen der Lebendene Welt und der Totenwelt gewesen ist und daher eine wichtige Person gestorben sei. In diesem Moment wurde mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie sehr die Traditionen hier noch im täglichen Leben eine Rolle spielen, gerade Hexerei. ( Später sah ich wie frauen nach dem Haar schneiden ihre Haare verbrannten, ich fragte sie warum. Darauf antworteten sie, dass sie das machten, damit keiner sie verfluchen kann. Das war schon irgendwie eigenartig für mich)
Nun aber zurück zur Beerdigung. Nach der Andacht saßen wir ehrlich gesagt den ganzen Tag in diesem kleinen, stickigem Raum mit einer Leiche und keiner Aussicht auf einen Ventilatoren, weil es keinen Strom im Haus gab. Mehr und mehr Menschen kamen und es war wirklich eng in diesem Raum. Die Luft war zum Schneiden. Daher war ich sehr froh, als wir das Haus gegen 16 Uhr verließen, um etwas zu Essen.
Doch um18:00 Uhr fuhren wir wieder zu der Beerdigung, wo wir wieder eine Andacht hielten. Dieses Mal begleitete uns noch der Chor der sich mit uns in diesen Raum quetschte und für die Tote sang. Diese Lieder sollen der Seele ( das ist eine schlechte Übersetzung des kiribatischen Wortes, aber mir fällt keine bessere ein. Das Wort meint im Prinzip das was eine Person ausmacht, also ihren Charakter und ihre Persönlichkeit und ihre Geschichte) Mut machen in das Totenreich zu gehen und nicht als Geist wieder zurück zukehren. Denn in der ersten Nacht des Todes verliert die Person ihre Identität und ist damit etwas, was ich nicht umschreiben kann. Ich glaube gerade bei Beerdigungen tritt der ursprüngliche Glauben noch sehr stark hervor, auch wenn die christliche Bestattungsform benutzt wird.
Anschließend wurde gegessen und an die Tote erinnert.
Am nächsten Morgen um 6 Uhr fuhren wir wieder zu der Toten, um die letzte Andacht zu halten. Danach ließen wir die Familie alleine, damit sie die Tote für die Beerdigung vorbereiten konnten. Um 16 Uhr versammelten wir uns wieder im Haus um den ersten Teil der Beerdigung abzuhalten, der bei uns in der Kirche stattfinden würde. Anschließend ( es war schon 17 Uhr) fuhren wir zum Grab, welches am anderen Ende der Insel war. Also trafen wir uns alle eine ¾ Stunde später am Grab. Dann ging alles ganz schnell: Da die Beerdigung aus traditionellen Gründen vor 18 Uhr fertig sein muss ( außerdem beginnt es um 18 Uhr dunkel zu werden), hielt der Pastor noch eine kleine Ansprache, die Leiche wurde ins Grab gelegt, wo ich erkannte, dass Mehrfachbelegungen eines Grabes kein Problem sind, und dann wurde das Grab geschlossen, der Chor sang, die knapp 400 Leute, die sich versammelt hatten, heulten. Weinen kann man das schon nicht mehr nennen. Es war eine Geräuschkulisse, die unglaublich war.
Anschließend sind wir zu dem Haus der Verstorbenen zurück gefahren und haben gegessen. Damit war die Beerdigung abgeschlossen.
In diesen zwei Tagen habe ich viel gelernt, vor allem, dass die Traditionen hier noch eine größere Rolle spielt, als offiziell in der Kirche zugegeben wird.
Außerdem habe ich erklärt bekommen, wie die traditionelle Beerdigung auf Kiribati aussah ( die nicht mehr ausgeübt wird) (wer einen schwachen Magen hat, sollte zumindest den zweiten Teil überspringen).
Es gibt zwei verschiedene Arten der Beerdigung. Welche Art angewandt wird, kommt darauf an, ob man von den nördlichen Insel kommt, oder von der südlichen. Ich habe leider vergessen, welche Inseln welche Art benutzen.
Die erste Art der Beerdigung ist noch sehr harmlos. Der/ Die Tote wird auf sein/ihr Kanu gelegt aufs Meer hinausgestoßen und verbrannt. Die Seele bekommt einen neuen Körper in form eines Delfins. Daher sind Delfine eine Art heiliges Tier für manche I-Kiribati.
Die andere Art ist zumindest für mich leicht abartig. Hier wird die Leiche auf den höchsten Punkt des Daches. Durch die Hitze und Schwüle tritt nach kurzer Zeit der Verwesungsprozess ein. Dabei laufen aus der Leiche Säfte aus. Diese Säfte werden aufgefangen und ins Essen gemischt. Das soll zeigen, wie sehr man die Person gemocht hat. Man hatte sie zum fressen gern ( tschuldigung, aber es ist in der Tat so…) Der Schädel der Person wurde aufgehoben und in Ehren gehalten.
Beide Arten der Beerdigung hatten einen Vorteil: Sie haben das Grundwasser nicht beschädigt. Das passiert bei der christlichen Erdbestattung leider, da die Verbrennung aus einem mir nicht bekannten Grund nicht erlaubt ist.
Das war, was ich zum Thema Beerdigung berichten kann.






Nun aber zu einem ganz anderem Thema. Ich habe dieses Wochenende auf einer anderen Insel verbracht. Diese Insel war nicht größer als unser hinterer Garten in Hamburg.Es standen ein paar Buschhütten darauf und das wars. Aber das Schöne war: Es war alles sauber und ordentlich, was nach 2,5 Monaten mit teilweise ungenügenden hygienischen Umständen echt mal wieder gut getan hat.
Am Freitagnachmittag ging es los. Eigentlich wollten wir mit einem Segelboot dorthin fahren, aber es herrschte totale flaute. Daher mussten wir auf ein Motorboot umsteigen. Wir brauchten eine knappe halbe Stunde um den Müllgürtel um Tarawa hinter uns zu lassen und in der Lagune stank es mal wieder total stark nach Abwasserkanal. Nach einer weiteren Stunde kamen wir auf Obva Island an. Wenn ich von wir spreche, spreche ich von Peter Lange, einem Deutschen, der auf Tarawa arbeitet und Diana, die bei Peter Lange arbeitet und mit der ich mich gut verstehe.
Auf Obva Island dauerte es nicht mehr lange und ich war im Wasser. Das Wasser war badewannenwarm und glitzerte im Sonnenuntergang. Es war so schön wieder einmal lange schwimmen zu gehen, was auf Tarawa wegen dem Müll nicht möglich ist. Gerade seitdem ich weiß, dass auch das Krankenhaus ihre Abfälle eifrig ins Meer kippt, meide ich das Wasser.
Abends saßen wir zusammen redeten und aßen- wie könnte es anders sein- fisch. Doch was es dazu gab, war etwas ganz besonderes, was ich seit 2,5 Monaten nicht mehr zu Gesicht bekommen habe, so dass ich mich fragen musste, ob das wirklich sein konnte: Salat! Darin waren sogar Tomaten und Gurken. Ich bin fast durchgedreht vor freude J.
Doch um 21 Uhr waren wir alle so müde, dass ich nur noch ins Bett kippte. Leider hielten die Mücken nichts von meinen Plänen zu schlafen und hielten mich mit ihren Stichen die halbe Nacht wach und das obwohl ich unter einem Mosktionetz schlief und Repellent aufgetragen habe. Mmh…
Morgens kam die nächste Essenstechnische Überraschung. Es gab EI. Ich bin kein echter fan von warmen frühstück, aber ein Ei kann man sich nicht entgehen lassen, auch die gibt es hier selten. Anschließend kamen noch ein paar Neuseeländer an, die in Tarawa die Dörfer wieder aufbauen wollten und zwei Wochen zur Vorbereitung und zur Lageinformation in Tarawa verbrachten. Die waren ganz nett und es war interessant von ihren Plänen zu hören, auch wenn ich bei der ganzen Sache etwas skeptisch bin. Ich meine diese Leute wohnen zwei Wochen lang in dem besten Hotel von Tarawa, durchlaufen das Touri Programm und schauen sich hin und wieder ein paar Dörfer an und meinen dann das Problem zu kennen. Klar, man erkennt sofort das es langsam mal überall ein Abwassersystem geben sollte und das die Häuser alle renovierungsbedürftig sind. Aber über solche Dinge wie das empfinden von Eigentum, welches doch sehr anders ist, als in westlichen Ländern haben sie sich noch keine Gedanken gemacht, aber wie die Häuser, die sie bauen werden aussehen werden, wissen sie schon ganz genau…
Nun aber wieder zu Obva Island zurück. Ich bin Schnorcheln gegangen. Hier kam meine Taucherbrille, mein Schnorchel und meine Unterwasserhülle für die Kamera voll zum Einsatz. Ich habe mich gefühlt, als wäre ich in Hagenbecks Tropenaquarium getaucht. Nur das da kein Glas zwischen mir und den Korallen war und die fische direkt an mir vorbei geschwommen sind. Es gab so viele fische, die ich sonst aus dem Aquarium kenne und so habe ich zum Beispiel einen Clownfisch und einen Doktofisch gesehen. Automatisch musste ich grinsen und an findet Nemo denken ;)
Anschließend fuhren wir auf eine andere Insel, wo es Kokosnüsse gab und wir wieder im Riff schnorchelten. Wir war es so, als ob es eine farbexplosion unter Wasser gegeben hätte und ich ließ mich von der Strömung treiben. Es war so klasse.
Es wurde fisch gegrillt und wir aßen frisch gefangenen fisch. Nun mussten wir uns langsam auf den Rückweg machen. Auf Obva Island konnte ich es nicht lassen und ging wieder ins Meer. Cih glaube ich habe dieses Wochenende mehr Zeit im Wasser verbracht, als an Land. Es war herrlich.
Abends gab es etwas ganz besonderes. Die Neusseländer hatten Chips und Wein mitgebracht, beides gibt es auf Tarawa nicht. Wieder wurde nett beisammen gesessen, und gequatscht. Das vermisse ich schon, weil es diese Tradition nicht gibt und wenn dann doch einmal ein Treffen stattfindet, dann sitze ich meistens dabei und verstehe nicht, weil keiner mir übersetzt. Daher sind diese Treffen immer ausgesprochen langweilig für mich.
Am Sonntagmorgen fuhren die Neuseeländer wieder und das Niedrigwasser war, konnte ich zu dem Riff schwimmen, was sonst zu weit draußen liegt. Und da erwartete mich etwas, was man in Worten kaum beschreiben kann. Es sah aus wie aus einem Bilderbuch über fische. Überall schwammen Schwärme von den buntesten fischen herum, die alles farben des Regenbogens repräsentierten.
Doch auch für uns wurde es Zeit aufzubrechen. Leider. Auf der Rückfahrt sahen wir viele fliegende fische, die ich am Anfang für komisch geformte Vögel gehalten habe… Naja, aber nach einer Zeit sah ich dann auch, dass es fische waren.
Und dann kam es zu meinem persönlichen Höhepunkt. Auf einmal tauchten neben unserem Boot ( aber so dicht, das ich nur meine Hand ausstrecken müsste um sie zu berühren) graue fluten auf. Erst dachte ich, ich seh nicht richtig. Dann aber hatte ich die Gewissheit: DELFINE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Jeder der mich kennt, weiß wie Delfin Verrückt ich bin und ich war nur noch hin und weg. In diesem Moment war ich nur noch glücklich. Die Delfine begleiteten uns ein kurzes Stück, sprangen wir verrückt so dicht am Boot,d ass sie uns nass spritzten und verschwanden dann. Wow…. Ich bin noch immer hin und weg
Etwas später erreichten wir wieder die Wirklichkeit. Schon im Hafen türmten sich wieder die Müllberge und auf dem Weg zurück zum Haus von Peter Lange, sahen wir eine Menschentraube: eine frau wird von ihrem Mann verprügelt. Peter Lange ging dazwischen. Die anderen standen drum herum und gafften. Es macht mich echt fertig, wie abgestumpft die Menschen sind und das sie lieber gaffen als zu helfen.
Jetzt bin ich wieder bei dem Pastoren, bei dem ich diese Woche bin.
Liebste Grüße von einer May, die hin und weg von Delfinen ist und trotzdem nicht wirklich weiß, wie sie mit der Gewalt hier umgehen soll.
May

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Photos



Jugendliche mit denen ich einen Jugendgottesdienst geplant habe.








Eine traditionelle Tasche in die man seine Bibel und sein Gesangbuch tun kann. So hat man sie immer an einem festen Platz und sie sind ausserdem einigermassen von Dreck und Staub geschuetzt


Ein Faecher


Naehen und Haekeln sind hier die Hauptbeschaeftigungen der Frauen, wenn es imn Haushalt sonst ncihts zu tun gibt. es kommen tolle Sachen dabei heraus. Ich habe schon einen Koffer voll nach Deutschland geschickt ;)


Tanzen auf Kiribati Art- Die Matten dienen als Roecke fuer die Maenner und Frauen tragen Bastroecke.

Sonntag, 25. Oktober 2009

3.&4. Dorf Naanikai und Uean Tebaguato

So, es ist wieder an der Zeit für einen Blogeintrag. Entschuldigt, dass ich in der letzten Zeit wenig geschrieben habe, aber ich war kaum in Antebuka, wo ich Internet habe.
Heute Nacht bin ich aufgewacht und war über und über mit Ameisen bedeckt. Irgendwer wollte mir einen Gefallen tun und hat mir eine Banane neben meine Matratze gelegt. Leider habe ich die in der Dunkelheit nicht gesehen. Und so kamen noch in der Nacht die Ameisen. So war die ganze Buschhütte, in der ich gerade schlafe voller Ameisen. Das hieß nachts um 3 aufstehen duschen, meine vor Ameisen wimmelnde Kleidung in die Waschmaschine schmeißen. Meinen Rucksack auswaschen. Meine Nacht war gelaufen. Es war so ekelig.
Heute morgen habe ich ein langes Gespräch mit dem Pastor geführt, bei dem ich gerade wohne. Das Gespräch war sehr interessant und lehrreich. Später gesellte sich ein unim’ane hinzu, der ein ehemaliger Präsident ist. Das war das erste mal seit gut zwei Wochen, dass ich mich in Umgebung von I-Kiribati wieder einigermaßen wohl gefühlt habe.
Die letzten zwei Woche kann man mit einem Wort sehr gut beschreiben: “Frustration”.
So langsam habe ich echt keine Lust mehr. Ich schäme mich des wegen, aber es ist die Wahrheit. Das erste was ich jeden Morgen sehe, sind ein Haufen Kinder an meinem fenster, die “I-matang” ( die Weiße) schreien. Manchmal würde ich am liebsten einen Schuh nach diesen Kindern schmeißen.
Wenn ich auf der Straße bin, kann ich mir sicher sein, dass egal wo ich bin, ein Chor von “I-Matang” Rufen erklingt. Das nervt mich wahnsinnig, gerade weil auch die Erwachsenen mit machen. Dadurch fühle ich mich häufig wie eine Krankheit in Person oder eine Aussätzige.
Letzte Woche war es sogar so, dass mich die Pastorenfamilie nicht einmal mehr mit meinem Namen angesprochen hat, sondern mich nur noch I-matang genannt hat.
Auch gerate ich hier hin und wieder mit den Männern hier aneinander. Die Männer sind hier die dominanten und es ist ganz klar, dass sich eine frau zu fügen hat. Auch, wenn ich meistens wie ein Mann behandelt werde (also als erstes essen und so etwas), merke ich hier doch häufig genug, dass ich eben “nur” ein frau bin. In der letzen Woche wollte mir der Pastor verbieten, einen Spaziergang zu machen, weil sich das für eine frau nicht gehöre, dabei habe ich das schon die ganze Woche gemacht. Oder ich habe seiner frau beim Abwasch geholfen und da kam das Kommentar von seinem Sitzplatz, den er wirklich nur ein paar Mal verlassen hat, dass sie eine schlechte Gastgeberin sei, weil ich beim Abwasch helfe. Da hat sich die frau bei ihm entschuldigt (!) und von da an durfte ich wirklich nichts mehr machen. Ich durfte nicht mal mehr Volleyball spielen, weil ich mich dabei ja verletzen könnte.
Etwas anderes, dass mir auch oft Kopfschmerzen bereitet, ist, dass die Menschen meinen europäischen Kleidungsstl überhaupt nicht akzeptieren. Ja, ich bin die erste I- Matang ( oh, wie ich das Wort hasse), die seit langer Zeit in den Dörfern lebt, vieles wissen sie nicht, aber trotzdem kann man doch akzeptieren, dass ich lieber meine Oberteile trage, als die Kiribati Oberteile, die knielang sind und sich anfühlen, als ob man eine Plastiktüte trägt.Dabei versuche ich echt alles, ich trege brav meinen Tiulu (Rock) und mein Tiibutao (oberteil), aber hin und wieder mag ich es doch ganz gerne einfach ein "normales" Oberteil zu tragen, was mich nicht so beim Gehen behindert.
Manchmal bin ich echt am Verzweifeln. Ich will das hier meistern, aber ich merke einfach so langsam, dass ich an meine Grenzen komme. Vor allem wenn ich sehe, wie hier mit Kindern und frauen umgegangen wird. Ich sehe so oft frauen mit blauen flecken im Gesicht, oder Kinder ( hin und wieder auch frauen), die auf offener Straße geschlagen werden. Ich fühle mich jedes Mal schlecht, wenn ich das sehe und mich nicht traue einzugreifen, aber ich traue mich nicht einzugreifen. Als neulich die Nachbarin des Pastoren geschlagen worden ist, habe ich es dem Pastor erzählt. Und denkt ihr, er hätte eingegriffen? Nein. Er ist mit einem Schnauben aufgestanden und ist an das fenster gegangen, um zuzugucken. Als ich fragte, warum er nicht hilft, meinte er nur, dass die frau es schon verdient hat!. Ich war stocksauer.
Mein persönlicher Höhepunkt war gestern Nachmittag erreicht. Ich habe in der Gemeinde einen Pc aufgebaut. Hinter mit saß die ganze Zeit ein Mann mit fächer in der Hand und dirigierte seine frau herum. Außerdem fragte er mich alle zwei Minuten, ob ich den wüsste was ich da mache. Es hat mich in den Wahnsinn getrieben. Anschließend habe ich noch eine einfache Bedienungsanleitung auf Kiribati geschrieben. Das hat ziemlich lange gedauert, weil ich jedes 3. Wort im Wörterbuch nach sehen musste. Als ich dann endlich fertig war, der Drucker und das Inet funktionierten, kam der Pastor herein. Da meinte der Mann, der die ganze Zeit da gesessen hat: “ Kannst du mal gucken, ob die I-Matang alles richtig gemacht hat? Sie ist ja eine frau.” AAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH…….. Da war es bei mir vorbei und mir war in dem Moment echt egal, was alle von mir dachten. Ich meine ich habe nicht ernsthaft über 5 Stunden damit verbracht einen PC mit Drucker und Internet einzurichten, eine Bedienungsanleitung für den PC zu schreiben, um so etwas zu hören. Ich habe nicht einmal ein Danke bekommen. Jetzt weiß wenigstens der Nachbar meine Meinung, ich hoffe er hat sie verstanden…
Von heute an ist es noch genau ein Monat und ich sitze im flieger nach Deutschland. Die letzte familie bei der ich war, war super. Ich durft wirklich überall mit hin. Vorestern ist der Junge von dem Pastorn gestorben, bei dem ich vor zwei Wochen war. Da war ich bei der Beerdigung. Die Beerdigung war sehr anders als in Deutschland. Das Kind lag in der Mitte der Maneaba und alle anderen saßen drum herum und haben geweint. Außerdem wurde von den verschiedenen Dorfgruppen Trauerlieder gesungen. Man aß und trank gemeinsam. Die Trauerzeit habe von 3 Tagen habe ich nicht mit gemacht. In dieser Zeit essen die familienangehörigen nichts und sollen auch nicht reden.
Heute war ich mit im Krankenhaus. ICh habe ja schon im deutschen Krankenhaus immer ein beklemmendes Gefühl. Aber hier war es um einiges Extremer. Die Menschen liegen immer in Räumen mit 50 Betten. Das heißt aber nicht, dass nur 50 Leute in diesem Zimmer liegen. Die familien liegen unter und neben dem Bett er Kranken, dazwischen liegen Kranke die kein Bett mehr bekommen haben. Verbandswechsel gibt es nur, wenn es dringend notwendig ist. Was mir aufgefallen ist, war das erstaunlich viele alte Leute in den Betten lagen, die beide Beine amputiert hatten. Die frustration war unglaublich groß. Ich habe mit einem kubanischem Arzt geredet, der mir erzählte, dass die Versorgungslage extrem schlecht ist. Die meisten Krankenschwestern haben nur ide kiribatische Ausbildung, die wirklich nur das Nötigste beinhaltet. für mich war es wahnsinnig bedrückend an diesem Ort. Auch herrschte nie Ruhe. Wie auch? Die Säuglinge schrien, die Tür zum Kreissaal stand weit offen. Auch der Operationssaal war auf. Man konnte den Ärzten so ungefähr beim Operieren zu schauen. UNd zwischen allem rannten noch ein paar Katzen herum auch über das frisch desinfizierte Operationsgeschirr.
Ich versuche hier meine restliche Zeit noch zu genießen, obwohl jemand meinen ganzen VOrrat an Gummibärchen aufgegessen hat und ich teilweise echt am aufgeben mit der Sprache bin. Ich war glaube ich noch nice so unfähig mich zu kommunizieren. Wenn ich mal wieder eine Heimwehattacke bekomme ( was doch hin und wieder vorkommt), dann habe ich folgende Lichtblicke:
1. Es kann nicht schlimmer werden, als der letzte Monat in den Staaten
2. Ich bin auf einen Segeltrip eingeladen worden. Das hieße ein Wochenende auf eine Outer Island mit der deutschen Familie mit der ich mich sehr gut verstehe. Allerdings muss die Pastorenfamilie, bei der ich nächste Woche bin, zustimmen. Ich hoffe das wird etwas. Ich will das unbedingt.
3. Ich habe ja immer noch Bate, Abbae, Editha und Terauango. Mit denen verstehe ich mich echt gut! Auch wenn ich in der Woche nur 1-2 für eine Stunde im HQ bin, weiß ich das die mich verstehen und das ich dort immer ein offenes Ohr habe. Das ist sehr viel wert.
4. Es sind nur noch 31 Tage und dann bin ich hier weg. Es ist schade so zu denken, aber manchmal hilfts...

So, auf in den Kampf für den letzten Monat.
Tiabo und viele sonnige Grüße aus Kiribati
May
PS: Wer sich näher über das Nordelbische Missionszentrum informieren will, kann dieses unter http://www.nmz-mission.de tun. Viel Spaß!

Sonntag, 11. Oktober 2009

2. Dorf Bairiki

Nachdem ich jetzt eine Woche nicht gemeldet habe, ist es mal wieder Zeit einen Blogeintrag zu erstellen. Donnerstag wechselte ich die Familie, um ein anderes Dorf kennenzulernen. Leider kam er statt um 11.00 Uhr um 7.00 morgens. Meine Sachen waren natürlich noch nicht gepackt, sondern noch im Zimmer verteilt. Aber es ist ja nicht so, dass ich keine Übung im Packen hätte. Nachdem ich die letzten 3 Monate ständig ein und ausgepackt habe, war dieses Problem innerhalb von 5 Minuten erledigt.
Am Abend ging es weiter zu einer Familie, um über die Familiensituation zu sprechen und so etwas. Das machen wir jeden Abend und ich lerne dabei immer wieder etwas Kiribati, aber nicht genug um endlich mal etwas verstehen zu können, manchmal ist das schon ziemlich frustrierend.
Am Samstag waren wir auf einen 21 Geburtstag eingeladen. Dort hielt der Pastor eine Andacht und es wurde viel gelacht, vorallem nach dem ein Mann im HSV Trikot kam und ich meinte, dass das aus der Stadt käme aus der ich komme. ER war da als Matrose gewesen und konnte sogar ein wenig Deutsch sprechen. Das war echt der Hammer. Dannach legte er "Auf der Reeperbahn nachts um 0.30" auf und alle konnte mitsingen. Das war soooooooooooooooooooo lustig, einfach weil ich hier echt so ziemlich am anderen Ende der Welt bin und diese Leute kennen dieses Lied, sprechen kein Wort Deutsch, aber können dieses Lied singen.
Zur Zeit plane ich einen Jugendgottesdienst zum Thema "Fisch" mit den Jugendlichen aus dem Dorf, in dem ich gerade bin. Das bringt echt Spaß, wenn da nicht die Dorfältesten wären, die absolut dagegen sind. Naja.... Die Jugendlichen wollten eigentlich auch die Lieder mit Keyboard und Gitarre begleiten, aber das haben die Dorfältesten total verboten. Sturheit...
Inzwischen gewöhne ich mich auch echt an meinen Tagesablauf: 5.30 aufstehen, 6-7 Andacht, 7 Frühstück und so weiter... ICh freu mich aufs ausschlafen, wenn ich zurück komme ;)
Ich glaube mehr ist in dieser Woche nicht passiert. Ich freue mich wie immer über Kommentare und Mails (ich warte gerade sehnsüchtig auf die Postkarte von Sonja...)
Bis Dann
May

Sonntag, 4. Oktober 2009

Erstes Dorf- Eita

Hallo,
ich habe gerade meine erste Woche bei Pastoren hinter mir. Für alle die es noch nciht mitbekommen haben: Ich werde die nächsten 8 ( inzwischen 7) Wochen jede Woche in einem anderen Dorf auf Tarawa verbringen und mir die Arbeit der dortigen Pastoren ansehen und mithelfen.
Am Dienstag ging es also los. Nachdem mir gesagt wurde, dass die Pastorin um 10 Uhr kommen würde, war ich, deutsch wie ich bin, um 10 fertig. Die Pastorin kam um 16. ooh ... So viel zum Thema Zeit. Abends hatte ich dann die Möglichkeit alle Pastoren Süd- Tarawas kennen zu lernen, da eine Sitzung stattdfand. Dort stellte ich mich vor und berichtete von meiner Arbeit in Deutschland. Außerdem lernte ich die Wochen- Hilfe der Pastorin kennen. Da sie alleine lebt, also nicht verheiratet ist, hilft ihr jede Woche eine andere Familie aus dem Dorft im Haushalt und kocht für sie. Diese Neuigkeit musste ich ersteinmal verdauen, vorallem wenn ich bedenke, dass einige meiner Freunde in Deutschlad, die wesentlich jünger sind, schon alleine leben.
Am nächsten Morgen ereichte uns die Nachricht eines Todesfalles im Dorf. Auch ich sollte mitkommen. Es war schon ein komisches Gefühl, gerade dabei zu sein. Abgesehen davon, dass ich noch nie auf einer Beerdigung war, sollte ich jetzt mit kommen und helfen. Eine Trauerfeier läuft hier so ab: Am ersten Tag wird der Leichnam gesalbt und aufgebahrt. Es werden viele Gebete gesprochen udn Andachten gehalten. Am Morgen des zweiten Tages wird der Leichnam bestattet. Dabei wurde viel geweint und da das ganze Dorf da war um den Chor zu stellen, war es dementsprechend laut. Anschließend wird gegessen. Am dritten Tag gibt es noch einmal morgens und abends Andachten und dann ist Schluss. Ich wurde beim Essen am dritten Tag viel über Deutschland gefragt. Einer brachte mir eine etwa zwanzig jährige Bravo, mit riesen Dieter Bohlen Poster. Hier ist er gerade mit Modern Talking und "Cherry, Cherry Lady" in den Charts. Er verfolgt mich...ahhhhhhhhhhhhh
Außerdem waren wir noch in Betio ( Sprich Besio) und haben dort eingekauft. Aufeinmal sahen wir viele Menschen auf den Tribünen sitzen. Wir fragten uns warum. Es sah aus, wie ein riesiges Picknick, bis auf das die Kinder alle Schwimmringe oder Schwimmflügel trugen und die Babys in Körben lagen. Die Leute erklärten uns, dass sie hier sicher seien, falss der Tsunamis käme. Die Babys sollten so schwimmen, wie Mose im Korb und die Kinder hatten ja Schwimmhilfen. Die Tribüne ist übrigens auch das höchste Gebäude auf Tarawa. Das nenne ich mal Vorsicht.
Zum Thema Tsunami: Wäre er gekommen, hätte man wenig Chance auf überleben gehabt. ALs Martin und ich am Anfang über den höchsten Punkt Tarawas gefahren sind, haben wir es nciht einmal gemerkt, er ist etwa 5 m über NN. Da Tarawa nicht breit ist, sondern eher ein Strich in der Landschaft, wäre das Wasser wahrschienlich einfach n die Lagune geschwappt und es hätte viele Tote gegeben.
Aber zum Glück ist es ja nicht soweite gekommen. Also macht euch bitte keine Sorgen mehr über mich.
Am Samstag war hier eine Hochzeit. Das Hochzeitspaar war erst 17, aber das Mädchen schwanger. Daher mussten sie heiraten. Das hat mir noch ienmla bewusst gemacht, dass heiraten hier ersteinmal soziale Absicherung ist und nichts anderes. Außerdem wäre die Ehre der Familie beleidigt gewesen, hätte das Mädchen nicht geheiratet. Ich konnte mich nciht über diese Hochzeit freuen, aber ändern kann ich es auch nicht.
Eine Hochzeit verläuft hier sehr ähnlcih wie in Deutschland. Der kirchliche Part ist genau gleich. Anschließend geht man in die Maneaba, es werden Reden gehalten und gegessen. Außerdemwird ein Showprogramm abgehalten. Nur Tanzen die Gäste selber, so gut wie gar nciht. Es gab einen Kuchentanz. Dort tanzt eine Gruppe mit dem Kuchen, um ihn dem Brautpaar zu geben. Es kam, wie es kommen musste. Das obere Stockwerk der Torte fiel auf den BOden. DAs Gelächter war riesig.
Inzwischen muss ich dreimal die Woche in den Gottesdienst. Das ist echt nervig, weil ich zweimal die Woche in einen Kiribati Gottesdienst muss und dort dann 1,5-2 Stunden herumsitze, ohne etwas zu verstehen, oder nur sehr wenig. Sonntags morgens gehe ich in den englischen Gottesdiesnt im College. Dadurch habe ich schon einige Studenten kennengelernt. Mit denen war ich SOnntagabend Chinesisch essen. Die Stimmung war ausgezeichnet. Das dieses Restaurant eine Satellitenschüssel hatte, stellte der Wirt mir ZDF ein und fragte, ob das ein Sender sei, den ich kenne. Es hat schon etwas witziges, um 19 uhr Kiribatizeit, 9 Uhr Deutscher Zeit deutsche Nachrichten zu hören.
Mein Kiribati wird jeden Tag ein wenig besser, inzwischen kann ich kleine Unterhaltungen führen, was ein großer Vorteil ist, wenn ich alleine unterwegs bin.
So, ich glaube das war es jetzt ersteinmal. ich melde mcih bald wieder bei euch.
Ich habe euch lieb
May

Mittwoch, 23. September 2009

Fotos

Da ich heute VIEL Zeit habe, habe ich beschlossen einfach ein paar Fotos hochzuladen. Es dauert hier etwa 1,5 Stunden 5 Fotos hochzuladen, also werden es nicht so viele Fotos werden. Das tut mir Leid!
In der Zwischenzeit ist nicht mehr so viel passiert. Es gab einen ziemlich starken Sturm, bei dem die Masten, die für die Internet-& Fernsehverbindung sorgen, abgeknickt sind. Zur Zeit werden diese repariert. Daher hatte ich für fast eine Woche kein Internet mehr. Die Leute in den Büros sind fast verzweifelt, weil sie einfach so gewöhnt an das Internet sind. Es wurden später batteriebetriebene Funkgeräte herausgeholt, weil es auch kein Strom mehr gab. Ich stelle mir gerade vor, was für Auswirkungen ein Zusammenbruch des gesamten Strom- und Internetnetzes gehabt hätte. Sicherlich nicht, dass jemand gesagt hätte: Te Karoi, Te Mauri. Das heißt eigentlich: Nur das Beste und Friede, wird aber immer benutzt, es heißt also auch Mach dir keine Sorgen.
Die letzten Leute, mit denen ich auf Arorae war, sind immer noch auf Arorae. Da das erste Flugzeug schon überladen war, konnten sie schon letzte Woche nicht kommen, Samstag war der Sturm, daher konnte das Flugzeug nicht starten und ich fürchte heute wird das auch nicht: Es regnet schon wieder und es sieht so aus, als wenn es bald Gewittert.
Inzwischen habe ich eine unerwünschten Untermieter: Eine Ratte hat sich in der Küche breit gemacht. Da ich das ehrlich gesagt nicht so prickelnd finde, wurde Gift gestreut. ( @Wiebke: Erinnerst du dich noch auf meine Reaktion auf eine Maus in Barcelona. Jetzt stell dir das noch einmal bei einer Ratte vor...:()
Wie ich euch schon erzählt habe, wurde das Bad renoviert. Doch dabei bleibt es nicht. Mein Chef hat entschieden, dass das auch die Küche mal wieder einer Grundüberholung bedarf und das Bad noch nicht fertig ist.
Wenn ich jetzt bald zu den Pastoren gehe, soll das in Angriff genommen werde. Dabei komme ich eigentlich echt gut mit der Küche zurecht. Ich meine sie kommt nicht an meinen gewohnten Standart heran, aber das macht mir nicht viel aus, den habe ich ja schon in 2 Monaten zurück.
Sonst ist hier nicht so viel los. Ich bin gerade dabei die Kirchenstrukturen zu verstehen, an die Gesellschaftstrukturen werde ich mich später wagen. Eigentlich habe ich das Gefühl hier alle mit meinen Fragen zu nerven und fühle mich schlecht des wegen, aber gleichzeitig sind die Leute hier so offen für alles und freuen sich über mein Interesse. Daher freue ich mich schon auf meine Zeit bei der Pastorin, weil die Gesellschaft hier noch sehr auf Männern beruht. Aber dazu kommt sicherlich später noch ein Post.
So ich habe euch lieb und herzlichen Dank noch einmal für die ganzen lieben Briefe!
May
PS: ICh stelle gerade fest, dass ich schon einen Monat. Die Zeit ist echt geflogen. Ich habe meine Zeit bisher hier echt genossen und werde sie hoffentlich in den zwei Monaten auch noch genießen können :) Bis Bald!
Hier seht ihr einen Hut nur aus Palmenblättern gemacht. er wird auf eine bestimmte Art und Weise geflochten und dann kann man ihn super als Sonnenschutz verwenden.
Mein erster Blumenkranz. Ich habe ihn bei der ersten Cultural Night bekommen. Die Blumen werden mit Kokosbändern eingeflochten. Als ich es versucht habe, sah es mehr aus, als wäre irgendwo in der Nähe eine Blumenwiese explodiert. Hier lernen als das schon die kleinsten Kinder. Gerade auf den Outer Islands wird das Wissen noch angewendet.
Die Massen an Essen, die es jeden Tag gab. Hier seht ihr Hummer ( grüne Schüssel), in der orangen Schüssel ist ein Fisch, dessen Fleisch süßlich aber sehr gut schmeckt. Es gab jeden Tag zu jeder Mahlzeit Fisch und Reis. Der Fisch war frisch gefangen. HIn und wieder gab es auch Hai. Ich mochte das Haifleisch nicht so gerne, getrocknet schmeckt es aber echt gut ;)
Verkehrsregelung. Dieser Holzpfahl mit dem Palmenblatt stand vor jeder Maneaba wenn dort ein Treffen stattfand. Jeder sieg von seinem Mofa ab und schub es, bzw. die 2 Trucks auf der Insel fuhren langsamer. AUch die Fußgänger stellten ihre Gespräche. Die Maneaba wird gerade auf den Outer Islands noch sehr beachtet. Hier werden schließlich die wichtigsten Entscheidungen getroffen und die Dorfältesten, die hier sehr viel Macht haben, entscheiden über die Zukunft ihres Dorfes.

Und hier die ganze Gruppe der ersten Woche. Mit ihnen hat es viel Spaß gemacht und auch wenn es teilweise mit der Verständigung nicht so gut geklappt hat, gab es doch immer etwas zu lachen :)

Donnerstag, 17. September 2009

Leben auf einer Outer Island- Arorae

Hallo,
nach zwei Wochen der Abwesenheit melde ich mal wieder. Ich war für 14 Tage auf einer Outer Island. Von diesem Erlebnis werde euch jetzt erzählen. Nehmt euch ein wenig Zeit, denn es ist viel.
Der 1. Tag begann um 5 Uhr morgens, es regnete in Strömen und ich fühlte mich ein wenig wie in Deutschland. Auf Grund des Regens beschlossen wir den Bus, statt dem Truck zu nehmen. Eingequetscht zwischen einem Generator und Koffern ging die holprige Fahrt zum Flughafen los. Dort angekommen, mussten wir einchecken. Auf Grund eines fehlenden Röntgengeräts, wurden unsere Taschen mit der Hand untersucht. Das dauerte seine Zeit. Anschließend wurde alles gewogen. Auch die Passagiere. Das hieß mit Handgepäck auf eine Waage stellen und warten. Man bekam einen Zettel mit seinem Gewicht und durfte in den nächsten Raum weitergehen. Dort wurde sein Handgepäck untersucht. Was mir dabei auffiel ist, dass die Arbeiter kein Ohropax oder andere Ohrschützer trugen, sondern sich Münzen in die Ohren gesteckt haben. Das hat mich schon ein wenig erschrocken.
Als wir dann endlich nach 4 Stunden fertig waren gingen wir endlich in den Wartesaal. Hier drin war es extrem warm und stickig, aber wir waren alle froh durch all die Sicherheitsvorkehrungen gekommen zu sein. Nach weiteren 1,5 Stunden kam dann das Flugzeug endlich. Es hat ehrlich gesagt mehr den Namen "fliegende Blechbüchse" verdient. Auch innen war es schon lange nicht mehr überholt worden. Die Tür zum Cockpit fehlte, die Bedienungsanleitung für das Flugzeug lag neben dem PIloten ( ist das nicht beruhigend? :)) Nach den Sicherheitsausklärungen ( Die Schwimmweste war unter dem Sitz und anschnallen bitte) ging es los. Ich musste lachen, als ich mich an den 10 Minuten Film über Sicherheit auf den Langstreckenflügen errinnerte. Nachdem wir noch 4 Mal zwischen gelandet sind, um zu tanken, kamen wir endlich auf Arorae an. Ich war echt müde, aber jetzt ging es ersteinmal zur Vorstellungsrunde in unserem Dorf. Denen sind vielleicht die Münder aufgegangen, als ich mich auf Kiribati vorstellte. Anschließend gab es Essen- Überraschung- Reis und Fisch. Aber ratet mal, was für Fisch: Fliegenden Fisch, der über dem Feuer gegrillt worden ist. Unglaublich lecker. Leider war er noch nicht ausgenommen. Das musste ich machen.
Nun wurde getanzt. Jeder, der mich kennt, weiß wie ich zum Tanzen stehe. Als ich dann natürlich gleich aufgefordert wurde, fühlte ich mich wirklich wie eine Kuh auf Glatteis... Naja. ZUm Glück hat jedes Lied ein Ende. Aber was ich wirklich bewundert habe, war, dass die ganzen alten Leute getanzt haben, als gäbe es kein Morgen mehr. Sie waren so beweglich und mit so viel Freude, dass es ansteckend war. Aufeinmal ging jemand mit Parfümflasch erhum und sprühte alle ein, dannach kam Bodypowder, auf das hier alle wahnsinnig stehen, weil es den Schweiß gut zusammenhält, aber ich glaube ich bleib lieber bei meinem Deo, weil es nicht ganz so intensiv riecht.
Jetzt nutze ich die Möglichkeit eines sauberen Meeres. Es war unglaublich warm und die Brandung war klasse. Als ich nach einer Stunde schon rausmusste, war ich echt traurig. Es war aber Essenszeit und die ist hier heilig. Es gab wieder fliegenden Fisch.
Am Abend bin ich fast aus den Socken gekippt, als ich ein Bett in "unserer" Hütte sah. Die Frauen erklärten mir, dass ich in dem Bett schlafen sollte, damit ich nicht auf den harten Matten schlafen muss, an die ich nicht gewöhnt bin. Es war nut noch hin und weg.
Die Morgende gestalteten sich hier immer gleich: Um 5.30 Uhr aufstehen, weil der Hahn kräht. Man putzt Zähne, läuft 500 Meter zur nächsten Regentonne wäscht sich dort, zieht sich an und geht zur Andacht. Am Anfang habe ich naiverweise noch gedacht so eine Andacht sei genauso lang, wie in Deutschland, also höchstens eine halbe Stunde. Das stimmte in einer gewissen Weise auch, denn das war die Zeit, die der Pastor redete, der Rest der Zeit wurde gebetet und gesungen. Die gesamt Andacht dauerte also etwa 1 Stunde. Nun wurde gefrühstückt. Fast alle aßen rohen Fisch und Reis, doch irgendwie weigerte sich alles in mir, das zu machen, deshalb habe ich morgens immer Kokosnussmilch getrunken und dann das Fleisch gegessen.
Später machten wir eine INseltour. Besonders beeindruckt haben mich die jahrhundertealten Navigationssteine, anhand denen die Menschen von Insel zu Insel segeln können. Fragt mich aber bitte nicht wie es funktioniert. Außerdem haben wir Delfine gesehen. Zwar waren die ziemlich weit weg, aber es war einfach nur toll.
Abends gab es wieder eine Andacht von der selben länge wie am Morgen. Anschließend wurde gegessen und es wurde wieder getanzt, sich unterhalten und Spiele gespielt. Sie hbaen mir ein Kiribati Kartenspiel beigebracht, das bringe ich euch bei Bedarf mal bei. Es ist witzig. :)
Am nächsten Morgen kamen die restlichen Referenten. Auch sie wohnten bei uns in der Hütte.
Die 3 Stunden, die wir auf sie warteten waren ehrlich gesagt ziemlich langweilig. Man lag an dem Flughafen rum und hoffte, dass die Zeit schnell herumging. Als wir dann endlich zum Aufbruch bereit waren, waren alle froh ;)
Am nächsten Tag war Sonntag. Trotzdem gab es die übliche Morgenandacht, 2 Stunden später gin es zum Gottesdienst. Leider hatte der Gottesdienst nciht die Länge eines deutschen Gottesdienst. Die erste halbe Stunde wird gesungen und gebetet, dann kommt der Pastor. Er hält die Predigt. Als nach einer halben Stunde der Predigt gesungen wurde, dachte ich: Danke, es ist geschafft. Aber- zu früh gefreut. Der Pastor predigte noch einmal eine halbe Stunde. Nach 1,5 Stunden war ich dankbar. Doch es kam noch das Abendmahl. Das heißt: Wieder wird gebetet und gesungen, dann wird eine Lesung gehalten, dann wird das Abendmahl das 1. Mal gesegnet. Es wird ein Lied gesungen. Anschließend wird das Abendmahl verteilt, doch es wird nicht, wie in Deutschland, gleich gegessen, sondern wenn alle etwas bekommen haben, abermals gesegnet. Ach ja, Abendmahl wird hier mit Brot und Totti ( Kokossirup) gefeiert, weil es keinen Wein gibt :) Nach insgesamt 3 Stunden still sitzen ohne wirklich viel zu verstehen, war cih so froh, erlöst zu sein. ( Hört sich jetzt Böse an, aber es war wirklich schwer so lange im Schneidersitz auf dem Kirchenboden zu sitzen und ruhig zu sein).
Am Nachmittag war der ERöffnungsgottesdienst. Da wiederholte sich das ganze Prozedere nocheinmal, doch dieses Mal ohne Abendmahl. Ich war echt froh dieses Mal auf einem Stuhl sitzen zu können. Im Anschluß aßen wir mit den 300 Jugendlichen von verschiedenen Inseln Kaffee und Kuchen. Sie sangen eingens komponierte Lieder, die wirklich schön klangen. Lieder komponieren gehört zu der festen Kultur und ich bewundere vorallem, wie sie so viele Lieder auswendig können.
Abends war die erste Cultural Night. An diesen Abenden stellten die Inseln ihre traditionellen Lieder und Tänze vor. Es war jedes Mal so beeindruckend zu sehen, wie viel Mühe sie sich damit gemacht haben. Man sah die Unterschiede. Mal wurde das Lied und der Tanz von der Ukulele begleitet, mal trommelten alle die, die nicht tanzen. Außerdem wurde immer noch ein kleines Showprogram präsentiert. Einmal zwerschlug ein Junge eine Moimoto ( Kokosnuss) mit der bloßen Hand, ein anderen Abend schlugen sie Flick Flacks. Den ersten Abend gab es noch ein großes Festmahl. Dazu sind extra 7 kleine Schweine ( waren aber größer als Ferkel) geschlachtet. Die lagen noch ganz auf den Tischen und waren sehr lecker. Auf Fisch musste trotzdem keiner verzichten.
Am nächsten Tag war der erste Seminartag. Es ging um 1.Hilfe. Es war alles sehr interessant mit anzusehen, auch wenn ich nichts verstanden habe. So ging es mir eigentlich an jedem Seminartag, daher habe ich auch die meiste Zeit damit verbracht Musik zu hören, zu lesen, oder zu malen. Ich bewunderte den Durchhaltewillen der Jugendlichen. UNter dem Blechdach der Maneaba war es brütend heiß und schwül ( an einem Tag 37° und eine Luftfeuchtigkeit, die unglaublich war). Da war man dankbar für jede noch so kleine Brise Wind.
ICh ging immer wenn das Programm vorbei war, im Meer baden. Es tat gut und brachte Spaß sich einfach in den Wellen treiben zu lassen. Das Meer ist hier so warm, wie bei und zu Hause eine Badewanne, angenehm, wenn man nicht gerade nach Abkühlung sucht. Auch im Schwimmung mit kurzer Hose und T-Shirt werde ich besser. Es ist mir lieber als mit dem Zulu, dem etwas knöchellangen ROck und T- Shirt schwimmen zu gehen, wie die restlichen Frauen. Nach der ersten Woche sollte die ersten Referenten wieder fliegen. Doch das Wetter war so schlecht, dass das Flugzeug nicht kommen konnte. Da war die Enttäuschung echt groß. Doch das Flugzeug kam schon am Samstag ein zweites Mal. Dieses Mal klappte alles ;) In dem Flugzeug kam auch Bate und seine Familie. Sie sind mit die nettesten Menschen, die ich kenne. Abbae, Bates Frau hat mir extra Cinnamon Rolls gebacken und mir Birnen mitgebracht. Ist das nicht unglaublich nett?
Die letzten fünf Tage waren die wirklich interessant. Dort wurden nämlich die traditionellen Handwerkskünste präsentiert, es fand eine Missenwahl statt und es fand ein Action Chorus statt.
Bei den Handwerkskünsten wurden Taschen aus Palmenblättern gemacht, Besen und Fächer hergstelltm, Hüte geflochten. Alles wurde bewertet, da die beste Gruppe am letzten Tag einen Preis bekommen sollte.
Die Missenwahl ist anders als man denkt. Alle trugen ihre traditionelle Kleidung ( es war das erste Mal, dass ich hier einen Bastrock gesehen habe^^) und die zur Wahl gestellten Paare ( von jeder INsel ein Paar) mussten Tanzen, singen, flechten , bzw. Kokosnüsse auskratzen und Roki ( eine Art Marmelade) herstellen, zum Schluss mussten sie noch eine Rede zu dem Thema der Youth COnvention ("Grow to be a living example for the Good News") halten.
Leider konnte ich beim Action Chorus nicht und bei dem Rest der Youth Convention nicht teilnehmen, sondern musste in unserem Haus bleiben, da mich die Grippe erwischt hat. Aber auch hier waren die Leute aus dem Dorf sehr hilfsbereit. So haben sie irgendwo kaltes Wasser organisiert, damit ich etwas Kühles habe, haben mir ständig heißen Tee gebracht oder Moimotos. Der Höhepunkt kommt aber noch: Ich lag im Bett und langweilte mich ( ich habe echt einen Fernseher oder so etwas vermisst, denn den ganzen Tag nur lesen und Musik hören ist anstrengend, vorallem weil ich meinen I-Pod nur eine Stunde am Tag aufladen konnte), da kam der Dorfoberste und fragt mich, ob sie für mich ein Huhn schlachten sollten, damit ich etwas esse, dass ich kenne. Im ersten Moment fragte ich mich, ob er mich auf den Arm nehmen will, aber ich sah an seinem Ausdruck, dass er es echt ernst meinte. :) Diese Gastfreundschaft hat mich echt gerührt. Aber ich ließ das Huhn am leben, denn ich hatte erstens keinen Huger, zweitens hätte ich ein schlechtes Gewissen ein Huhn nur für mich zu schlachten und drittens schaffe ich im gesunden Zustand kein ganzes Huhn...
Am letzten Tag bekamen wir noch eine Essensration mit auf den Weg: getrocknetes Haifleisch. Das schmeckt ganz gut, ist eytrem würzig, aber lecker. Ja, meine Essgewohnheiten haben sich hier leicht geändert. Hier eine Aufzählung von all dem Besonderen, was ich bisher hier gegessen und getrunken habe: Totti (das ist der Sirup, der aus den Palmen kommt. Er wird gekocht und mit Wasser verdünnt), Kokosnuss&Kokosmilch, fliegender Fisch, Haihaut, Hummer ( ich kann den inzwischen alleine öffnen, aber ob diese Methode Restauranttauglich ist, wage ich zu bezweifeln ;)) und Haifleisch. Naja, ihr seht, es ist viel mehr Fisch, als ich sonst habe, aber da ich ein Fischfan bin, stört mich das überhaupt nicht.
Gerade eben bin ich mit Wäsche waschen fertig geworden. Da es hier so warm ist und die Sonne gerade genau auf die Wäsche scheint wird sie schnell trocknen ;) Das ist echt ein Vorteil hier.
Tiabo
May

hier tanzen die Mädchen.Die weiße Farbe in ihren Gesichtern ist Bodypowder, dass von Verehren aufgetragen worden ist ( man war das immer ein Ansturm). Das gleiche gilt übrigens bei den Jungen. Auch sie tragen Blumenkränze.Ach ja, das Jungen& Männer Röche tragen ist hier alltäglich.




vor dem Gottesdienst. Alles steht in Reih und Glied, streng nach Geschlecht getrennt.




Der Flughafen. Riesig oder? Ich meine, wenn man sich überlegt, dass ich in London 25 Minuten von Terminal zu Terminal gebraucht habe ;)


Ausflug zum Strand. Neben mir steht Terauango, meine Betreuerin. Mit ihr verstehe ich mich richtig gut.